Superlative Confusion

Eigentlich wollte ich diesen Eintrag schon früher schreiben, aber gewisse unlautere Vorwürfe um den Realitätsgehalt meiner Person haben mich zwischenzeitlich dann doch ein wenig vereinnahmt. Ich dachte kurzzeitig sogar, ich leide an Synästhesie, weil es irgendwie überall buchstäblich nach Verschwörung roch und alles Lüften dagegen nix helfen wollte… Anyway! So ein Franzose sagte mal so etwas Ähnliches wie „Ich blogge also bin ich“ und da mir die Schmerzen in meinem Finger (jaja ich weiss: wer nicht rauchen kann soll es sein lassen) auch überaus real vorkommen, will ich darauf nicht mehr weiter eingehen. Das tangiert mich von nun an eher peripher.

Ursprünglich wollte ich diesen post auch – in Anlehnung an den Homo creativus und den Homo Sowjeticus – „Die Evolution des Homo Chris(t)“ nennen. Aber irgendwie klang das in meinen Ohren seltsam abwertend – und das soll es nicht. Auch wenn sich Chris selbst wohl am ehesten darüber amüsieren würde. Jedenfalls will ich hier nun den mit 2be… markierten post zu Ende continuen.

Als Chris mir mailte, er wolle über Ostern nach Bremen kommen, hab ich mich echt tierisch gefreut ihn wieder zusehen. Chris hat sich zwar ziemlich krass verändert – aber eigentlich eher zum positiven hin. Weniger ist im Fall Chemie dann doch mehr.

Nachdem ich ein paar Tage Abstand gewinnen konnte, will ich nun versuchen das erlebte für mich aufzuarbeiten um mir über ein paar Dinge klar zu werden. Beim Ostertreff mit Chris ist mir nämlich auch erst bewusst geworden, was für ein guter Kumpel mir da vor 13 Monaten durch seinen Umzug nach Köln wirklich „verloren“ gegangen ist.

Wir haben uns gegenseitig alle möglichen Storys aus der gemeinsamen Schulzeit um die Ohren gehauen, etwa die Aktion mit dem pep in der Coladose von Herrn Remer, der daraufhin abging wie ein Zäpfchen. Oder über unseren Deal mit Herrn Addler, der uns mit einem Flachmann in der Hand beim Kiffen erwischt hat – und daraufhin keiner den anderen angeschwärzt hat. Ja, 11. und 12. Klasse war schon mit die geilste Zeit!

Recht strange wurde dieser Rückblick auf die gemeinsame Schulzeit aber, als Chris mir dann erzählte, dass er zwar sein endgültiges coming out in Köln hatte, aber schon vorher durchaus be orientiert war. Das behielt er aber bis vergangenen Samstagabend für sich. Nach einigen Haake-Beck erwähnte er da nämlich auffallend unauffällig, dass er mal in mich verliebt gewesen sei. Ich musste ihm dann erstmal beichten, dass ich das alles keinen Meter gerafft habe, was Chris allerdings auch nicht wirklich erstaunte. Er sei ja auch nicht gerade offensiv mit seiner Zuneigung umgegangen. Über extrem subtile Andeutungen ist er nicht hinausgegangen. Sonst hätte ich ja auch was checken müssen. Ich meine, so was wäre das letzte gewesen, was mir in den Sinn gekommen wäre. Er meinte er hatte einfach zuviel Schiss davor eine Abfuhr – oder noch schlimmer: als Gesprächsthema auf dem Schulhof zu landen. Das konnte ich auch gut nachvollziehen. Zum Abschied am Montag am Bremer Hbf wollte ich Chris dann umarmen, aber er gab mir stattdessen und aus heiterem Himmel einen langen Abschiedskuss.

Seit dieser Szene ist wohl in meinem Hormonhaushalt irgendwas aus den Fugen geraten… Jedenfalls fühle ich mich seit dem mehr denn je dazed and confused.                                                 So far…

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Ich geh jetzt mein Abi machen!

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3 comments so far

  1. ex-mbw (jo1) on

    Loki Ltd. Teil 2

    „Scheiße, sie haben uns am Arsch!“ Ulfs Wurstfinger fanden nur mit Mühe die richtigen Stellen auf der für ihn viel zu kleinen Blackberry-Tastatur. St. Moritz war fürs erste gegessen. Mareilles Anruf erlöste ihn für’s Erste aus seiner misslichen Lage. „Loki Ltd Int. haben Arne-Olaf gerade Feuer unterm Hintern gemacht. Die sind richtig stinkig, Du“, quietschte die Stimme der Markenfachfrau aus der Hörmuschel. Diese naseweisen Brillenschlangen haben unser Konzept auffliegen lassen und schreiben jetzt, dass sie uns ganz unmöglich finden. Und vor allem sind wir für die auch gar nicht echt. Die Kampagne war von Anfang an auf Autentität (sic) ausgelegt.“

    „Na und, dann muss Patrick halt in Doppelschicht Dementis verfassen, damit er sein PC-Now-Today-Abo behalten darf“, versuchte der wortgewandte Berufsschreiber seine Kollegin zu beruhigen. „Und außerdem: Wer liest das denn schon? Auf deren Klowänden können die doch kritzeln, was sie wollen.“ Mareilles Stimme hüpfte augenblicklich in die viergestrichene Oktave. Ulf blendete das in seinen Augen hysterische Geschwafel aus, und ließ seinen Blick über das Alpenpanorama schweifen. Bis ihm bei der Erwähnung der Worte „Spiegel Online“ ein mit Selbstbräuner vermengter Schweißtropfen auf den blütenweißen Skianzug tropfte.

    Nördlich der Alpen lief ein in die Jahre gekommener Agenturchef Löcher in seinen Parkettboden.
    „Nein, Mr. Murphy, ich sagte ihnen doch bereits das die Aufdeckung der, äh Viralkampagne durch die, äh Blogbetreiber durchaus in unserem Konzept von Anfang an… äh ja, Mr. Murphy…? Nein, Mr. Murphy nie im Leben würde ich Sie, ….käme gar nicht auf den Gedanken, …Ihnen gegenüber sowieso nicht. Ja, sofort. Verstanden Mr. Murph.. Morgen schon?! Werde ich umgehend veranlassen!“

    Loki wollte Köpfe rollen sehen. Köpfe würden rollen. Patrick öffnete sich eine Cola; auf Firmenkosten. Gerade hatte der einbestellte Techniker den Raum verlassen, hundertzwanzig Euro aus der Kaffeekasse eingesteckt und versichert, dass auf diesen Seiten in Zukunft niemand mehr so einfach Kommentare verfassen würde. Hatte sich doch gelohnt, die neue PC-Now-Today zu lesen. Das Fotoshooting mit den Models heute Vormittag war auch eine angenehme Abwechslung zum Abtippen von Ulfs Geschwurpse gewesen. Die brünette Portugiesin hatte ihm zum Abschied sogar zugezwinkert.

    Der vertraute Benachrichtigungston von MS Outlook riss ihn abrupt aus seinen Tagträumen. Patrick richtete sich auf. Mit einem gekonnten Doppelklick öffnete er das vertraute Mailprogramm. Er überflog die neuen Schreibanweisungen aus Ulfs Resort. Binnen einer Sekunde lief braunes Zuckerwasser simultan aus einer fallengelassenen Colaflasche und Patricks offenem Mund. „Vergesst es! Das schreibe ich nicht!…Ich bin nicht schwuuuuuul!!!!“

    Mareiles Kopf erschien im Türrahmen. Das dazugehörige Grinsen stand auch schon im Raum. „Das ist aber schon deine Unterschrift auf diesem Vertrag, oder? “ pfiff sie zwischen ihren Zähnen hindurch in den Mediaroom.

    Gespannt auf die Auflösung in Teil 3?

  2. ex-mbw (jo1) on

    Teil 3:

    Ulfs Nacht war kurz gewesen. Der Frühflug unnötigerweise völlig überbucht. Er in der Economy Class. Wenn sich das herumspräche. Den Blackberry hatte er inzwischen gegen Stift und Papier getauscht und ohne Unterlass an einer Pressemitteilung gefeilt. Doch jetzt war der Wurm drin. Er kam nicht weiter. Über diese beiden Knallschoten aus Hamburg war auch nichts Richtiges in Erfahrung zu bringen. Auf jeden Fall nichts, was für eine ordentliche Diskreditierung reichen würde. Bis auf einen mediokren Musikgeschmack und einem Hang zu gefälschten Markenunterhosen aus Fernost bei dem einen, einer Vorliebe für Hydranten-Fotos bei dem anderen. Ulf brauchte Inspiration. Aber dringend. Er nestelte geistesabwesend an seiner Brieftasche herum, hatte bereits zwei Kreditkarten in der Hand – als sich sein und der Blick des Taxifahrers im Rückspiegel trafen. Die Am-Ex verschwandt leise im Schweinsleder. Ulf in seinem Sitz.

    Seitdem die Wagenkolonne vor der Agentur geparkt hatte und die Abordnung von Loki Ltd. geschlossen in Arne-Olafs Büro gegangen waren, hatte der sonst so agile Firmenchef nicht mehr viel gesprochen. Die Zeit der großen Worte war vorbei. Die der großen Aufträge wohl auch. Tanja A., die Dame vom Eingang, brachte schweigend ein Tablett mit Kaffee in den Konferenzraum. Unauffällig schob sie ihrem Chef einen Zettel in die Jacketttasche.

    In einem unbeobachteten Moment zwischen dem drei- und dem vierundachtzigsten „Ja, Mr. Murphy“ huschten seine Augen über den vom offensichtlich frisch eingetroffenen Ulf verfassten Zettel. Eigenartig, diese Abteilung seines Hauses kannte er bisher noch gar nicht. Und dieser Name sagte ihm auch absolut nichts… doch plötzlich sah er klarer: Ja natürlich. Das war die Lösung!

    Ulf hatte zwar immer ein wenig seltsam auf Patrick gewirkt, heute jedoch schoss er den Vogel ab. Wild gestikulierend, Zähne knirschend, mit Schaum in den Mundwinkeln drosch er augenrollend auf die Tastatur ein.

    „Siehst du Patrick, das ist Sun-Tzu, das ist „The Art of War“! Nehme die Waffen deines Gegners und wende sie gegen ihn!

    Sie schreiben hier >> bei dem Scheiß wird mir nicht nur schlecht. Diese Agentur macht, dass ich wegrennen möchte>Nicht nur schlecht. Diese Agentur macht das Rennen…

  3. pupileye on

    @ex-mbw @Teil 2 …auf jeden Fall!


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