Kommerzialisierung der Blogosphäre

Die Kommerzialisierung der Blogosphäre wird ja schon länger diskutiert. Hier berichtete Spiegel-Online schon vor einem Jahr über Andrew Sullivan, den „konservativ-schwul-katholisch-HIV-positiven Blog-Pionier“ der sich damals an Time verkauft hat.

Irgendwelche Zielgruppenanalysen haben den Werbefuzzies wohl verklickert, dass auf dem Datenhighway Geld rum liegt. Der Netzwerkmultiplikator Blogger potenziert dann die kommerziellen Anstrengungen. Gutes Geschäft, jedenfalls für die Werber!

Schon damals war von einer Fragmentierung der Blogosphäre die Rede. Blogs wurden nach ihrer Popularität und ihrem Traffic geratet: Wobei A-List-Blogs „inzestuös verlinkt sind und so auf hohe Visits kommen“. Es ist klar, dass die große Masse der Blogs in die C- oder D-Kategorie fallen und nur „white noise“ produzieren. Es sind vor allem die A-List-Blogs die sich kommerziell ausschlachten lassen – je beliebter ein Blog, desto größer somit auch die Wahrscheinlichkeit dass es sich um einen (Fake-Blog / Flog) handelt.

Das ist natürlich ziemlich fies. Beliebte Blogs laufen ja nicht selten dem Mainstream entgegen – und je besser sie das machen, desto höhere Angebote wird der Blogger nun von Firmen bekommen. Und wer auf einmal Geld für etwas angeboten bekommt, was ja er sowieso macht, lässt sich sicher schnell vereinnahmen und korrumpieren (zugegeben sein Hobby zum Beruf zu machen hat schon was). Man könnte auch sagen, die Blogger waren so erfolgreich, dass sich nun sogar die „Heuschrecken“ für sie interessieren.

Also alles halb so wild? Wir werden wichtig? Entwächst die Blogosphäre gerade einfach nur ihrem embryonalen Stadium oder verheddert sie sich doch eher in der eigenen Nabelschnur?

Ich weiß nicht, ob Blogger wirklich mal die „Anti-Elite der Medienbranche“ waren. Aber ein wenig kritischer könnte die Diskussion trotzdem geführt werden.

Irgendein schlauer Mensch hat mal auf ein besonders faszinierendes Feature des Internets – und der Blogosphäre hingewiesen: nämlich auf deren Umgang mit Zensur, welche das Internet als Funktionsstörung betrachtet – und umgeht. Was, frage ich mich, wird nun aus den Anti-Mainstream-Meinungen wenn sich die Blogosphäre kommerzialisiert, mit der Wirtschaft fusioniert, ein wenig rationalisiert und am Ende monopolisiert wird?

Ändert sich gar nix?
oder Verlieren wir unserer Unschuld

Ich denke ehrlich gesagt nicht, dass uns eine Berluconisierung der Blogosphäre bevorsteht, aber bedenklich finde ich schon, dass man einfach nicht weiß welche Motivation sich hinter einem Blog verbirgt (wenn nicht grade ein Banner im Blog flackert). IMHO sollte auf jeden Fall ersichtlich sein, ob kommerzielle Aspekte hinter einem Blog stehen!!!

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3 comments so far

  1. rene on

    Es ist klar, dass die große Masse der Blogs in die C- oder D-Kategorie fallen und nur “white noise” produzieren.

    Nun. Tatsächlich ist es meistens so, dass die Themen durchaus von „kleineren“ Blogs angerissen werden und dann von „größeren“ Blogs einen Spin erhalten, der das Thema, wenn es eins ist, explodieren lassen kann. So gesehen ist der „long Trail“ enorm wichtig. Ich denke da schon etwas länger drüber nach, aber bisher war es wirklich so, wie eben gesagt: die Themen kommen meist von den „kleineren“. Da muss ich mal was drüber machen. 😉

  2. […] schalten ist dagegen im Grunde unproblematisch. Die Diskussion darüber, was erlaubt sein sollte und was nicht, halte ich jedenfalls für […]

  3. […] wenig erläutern! Ich zitiere hier frei den Altmeister Marx, weil ich nun selbst in diesen Sog der Blogokommerzialisierung – gegen welchen ich noch vor wenigen Wochen einen Stöpsel gesucht habe – […]


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